Im achtzehnten Teil strauchelt er wieder mal.

Leicht angeduselt wackelt Dicky Richtung Jesuitenwiese, legt sich ins Gras und schließt die Augen. Der Untergrund riecht zwar verdächtig nach Hundepisse, das ist ihm aber gerade vollkommen egal. Auch die Fliege, die sich nicht entscheiden kann, ob sie die Fettporen auf Dickys Nase näher untersuchen oder doch zurück zu den Hundewürstchen soll, von denen sie gerade kommt, stört ihn nicht die Bohne.
Würde ihm jetzt jemand ins Gesicht schauen, fiele ihm sein verschmitztes Lächeln auf – tut aber eh keiner. Er ist nämlich allein auf weiter Flur.
Damals war er das nicht. Obwohl er also erleichtert und nahezu glücklich ist, denkt er schon wieder an sie. Ungeheuerlich.
Er hat sie mit Verzögerung kennengelernt, hat sie anfangs gar nicht bemerkt, wollte eigentlich auch überhaupt nicht mehr. Vielleicht hat sie ihn ja deshalb sitzen lassen, späte Rache quasi.
»Hast du ein paar Comictipps?« So fing das an, damals, vor fast zwei Jahren.
»Ach!« Er seufzt, verharrt kurz, versucht, wieder an nichts zu denken, und ist erleichtert, als ihm plötzlich einfällt, dass er ja Nevada anrufen sollte.
Es hebt Horst ab. Horst ist Nevadas großer Bruder und, tja, anders als der jüngere Schmidt. Er ist ein Mensch wie der siebte von den glorreichen, der zweite von den drei Galgenvögeln, die auf Harmonica warten, oder die dritte Brontë-Schwester. Also jemand, den man immer vergisst, der einem nie einfällt. Man weiß, dass es ihn gibt. Das ist es aber auch schon.
Nein, es ist eigentlich ärger, er ist die fleischgewordene Belanglosigkeit – die Inkarnation der Banalität.
»Schmidt, Horst.«
»Luft, Dicky. Sag deinem Bruder, dass ich in einer Stunde bei euch bin und dass ich den Job habe. Bis später.«
»Auf Wiederhören.«
Dicky richtet sich langsam auf, kratzt sich am Kinn und nach kurzem Zögern auch an den Eiern und steht schließlich auf.
Er macht sich auf den Weg.

Dicky Luft - Teil 17

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