It all goes along together. Parallel, not series. Metaphor. Signs and symptoms. Mapping on to different coordinate systems.

Kein Blei im Klingelbeutel

Alfonso Brescias Film I giorni della violenza (Italien 1967), auf Deutsch: Sein Wechselgeld ist Blei, gehört zu jenen Italowestern, die sich an größeren dramatischen Entwürfen und historischen Vorgaben versuchen. Also zu jenen, die mehr erzählen wollen als die brutale Story zynischer Einzelgänger, deren genuschelte Worte der Anzahl der Patronen in ihren Revolvertrommeln entsprechen. Brescia entwickelt seine Geschichte aus den Schicksalen von sechs Bewohnern einer Ranch in Missouri zur Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs. An Vom Winde verweht sollte man jetzt aber nicht denken.

Auch beim zweiten Ansehen bleiben »Die Tage der Gewalt« ein unebener Film, der an seinen eigenen Ambitionen scheitert, nicht immer in Würde. Die Handlung in ein großes historisches Ereignis einzubetten ist schön und gut, allerdings fehlen die inszenatorischen, darstellerischen und auch budgetären Mittel, um die Figuren glaubwürdig vor diesem Hintergrund agieren zu lassen. Dabei räumt der Film seinem Protagonisten Johs Lee (Peter Lee Lawrence) eine interessante und ambivalente Position innerhalb der Geschehnisse des Sezessionskrieges ein.

Johs ist gemeinsam mit seinem Bruder Clell Lee (Romano Puppo) und seiner jetzigen Liebe und einstigen Spielgefährtin Christine Evans (Beba Loncar) auf der Ranch von deren Vater, Mr Evans (Andrea Bosic), in Missouri aufgewachsen. Der Krieg hat die Ranch aller Cowboys und Arbeiter beraubt, und so leben zu Beginn der filmischen Erzählung, circa 1863, neben den bereits Erwähnten lediglich noch Faktotum Nathan (Harold Bradley) und Clells Frau Lizzy (Rosalba Neri) auf der Ranch (die wie oft in italienischen Western eher an eine Hazienda erinnert). Natürlich kommt da jede zusätzliche Hand gelegen, auch Hank Song (Lucio Rosato), der seit einem Monat für Mr Evans arbeitet.

In der ersten Szene von I giorni della violenza fällt es Hank Song ein, Lizzy Lee vergewaltigen zu wollen, am helllichten Tag, in einem Vorratslager, das dem Hauptgebäude angeschlossen ist, in welchem sich zu diesem Zeitpunkt Mr Evans, dessen Tochter Christine und Nathan befinden. Auch Johs ist nicht weit, er kehrt mit einer Pferdeherde zurück, gerade rechtzeitig, um seine Schwägerin vor dem Schlimmsten zu bewahren, Hank Song eine ordentliche Tracht Prügel zu verabreichen und ihn der Ranch zu verweisen. Kurz darauf trifft auch Clell Lee ein, und der Film reißt seine ersten Gräben auf. Mr Evans, der an einen Rollstuhl gebunden ist, stellt sich nämlich keineswegs auf die Seite Lizzy Lees, sondern bedauert vielmehr den Verlust Hank Songs, der zusätzlichen Arbeitskraft. Johs muss konsterniert mit anhören, wie der Patriarch Lizzy Lee weibische Überempfindlichkeit vorwirft. Klar wird damit auch: Mr Evans geht die Ranch, sein Besitz und Lebenswerk wie -inhalt, über alles.

Wir befinden uns erst einige Minuten im Film, aber bereits jetzt hat Regisseur Alfonso Brescia unsere »willing suspension of disbelief« (Coleridge) auf eine harte Probe gestellt, und das auf mehreren Ebenen. Der Vorspann hatte, das habe ich bis jetzt unterschlagen, bedeutungsschwer historische Aufnahmen des Sezessionskrieges gezeigt und per eingeblendetem Text über den geschichtlichen Rahmen informiert und somit auf ein folgendes Drama historischer Tragweite hingedeutet. Am tatsächlichen Handlungsbeginn steht dann die versuchte Vergewaltigung, die zum einen diegetisch aus der Sicht Hank Songs so ziemlich das Dümmste ist, was er tun kann – und der Mann ist gerissen, das stellt sich später heraus –, zum anderen aber, und das fällt schwerer ins Gewicht, in schäbigster Exploitationmanier in Szene gesetzt ist: voyeuristisches Kameraauge in Lizzy Lees Dekolleté, dann auf ihre Beine, groß ins Bild gerückt ihre dumm bewundernden Blicke, nachdem Johs sie gerettet hat, adrett freigelegte Schultern, stilvoll zerrissene Bluse, perfektes Make-up, die Frisur kaum zerzaust. Hier wird kein Akt roher sexueller Gewalt inszeniert, sondern dem präsumtiv männlichen Zuschauer ein Häppchen Erregungsmaterial hingeworfen. Auch der folgende Faustkampf zwischen Johs Lee und Hank Song ähnelt eher einer der gepflegten Unterhaltung dienenden kleinen Choreografie als lebensbedrohlicher Aggression.

Des Weiteren macht Brescia die Einhaltung des »Fiktionsvertrages« – falls es so einen gibt, aber für meine Zwecke scheint mir seine Annahme geeignet – beinahe unmöglich, indem er mit Andrea Bosic als Mr Evans einen Schauspieler auftreten lässt, der vom ersten Augenblick an weder optisch noch mimisch als Südstaatenpatriarch durchgeht. Bosic stellt Evans mit der betulich-hysterischen Aufgeregtheit eines Finanzbeamten dar, der seinen Bleistift verlegt hat. Rosalba Neri als Lizzy Lee aus Missouri ist natürlich so glaubwürdig wie Jayne Mansfield als Königin der Amazonen, und nachdem Romano Puppo als Cowboy Clell Lee in der Eröffnungsszene seinen Auftritt gehabt hat – Puppo sieht nach vielem aus, zum Beispiel wie ein beinharter Manndecker bei Juventus Turin in den 1970er-Jahren, bloß nicht wie ein Rancharbeiter aus dem Mittleren Westen der Vereinigten Staaten in den 1860er-Jahren –, lässt man jede Hoffnung auf einen ernst zu nehmenden Film fahren und stellt sich auf die übliche Spaghettiwesternkost ein, die – selbst mit einer gehörigen Prise Eigenironie gewürzt – ohne bedingungslosen Willen zur Selbstvergiftung kaum hinunterzukriegen ist. Dummerweise verfügt auch Brescia über einen unbändigen Willen – leider ohne jede selbstreflexive ironische Brechung –, und zwar jenen, ein Westerndrama historischer Dimension vor uns auszubreiten.

Ins Spiel kommt nun ein korrupter Hauptmann der Unionsarmee namens Dan Clifford, dargestellt von Luigi Vannucchi, einer optischen Kreuzung aus Yves Montand und Tom Jones. Captain Clifford hat die Militärakademie in West Point absolviert (und dort im Preisschießen eine Goldmedaille gewonnen, die ihm im Verlauf der Handlung zum Verhängnis werden wird). Es stellt sich heraus, dass Clifford gemeinsame Sache mit dem verhinderten Vergewaltiger Hank Song macht, der mit dem Vorrücken des Krieges in neue Gebiete die Lage dort sondiert, um mit dem schäbigen Hauptmann krumme Geschäfte und Gaunereien durchzuziehen. Song schlägt Clifford vor, die Pferde der Evans-Ranch zu stehlen, und zwar mit Unterstützung von Unionssoldaten in Zivil. Was sich wie eine komplett hirnverbrannte Idee anhört, stellt sich dann auch als eine solche heraus. Clifford willigt jedoch ein.

Die kommenden Szenen im Schnellvorlauf: Diebstahl der Pferde, Clell und Johs Lee jagen den Gaunern nach, wüste Schießerei in einer Schlucht, alles scheint für die Gebrüder Lee verloren. Jetzt bringen Brescia und sein Drehbuchteam ihre letzte wesentliche dramatische Figur ins Spiel: den Bushwhacker Butch aus Springfield (Nello Pazzafini) mit seiner Bande von Freischärlern auf der Seite der Konföderation. (Pazzafini, ich erwähne es ungern, verkörpert nur sehr schlecht einen Butch, schon gar nicht einen aus Springfield, Missouri.) Er rettet Clell und Johs und Mr Evans’ Pferde. Auch will er die Brüder überreden, sich seiner Bande anzuschließen, um mit den gottverdammten Yankees aufzuräumen. Die Lees lehnen jedoch ab und kehren auf die Ranch zurück, wo sie ein überglücklicher Mr Evans samt Tochter Christine und Lizzy Lee erwartet.

Wie Butch hasst auch Mr Evans die Nordstaatler und kann nicht verstehen, warum Johs Lee sich nicht an den Kriegshandlungen der Konföderierten beteiligen will. Mr Evans offenbart hier eine gewissermaßen schizophrene Haltung: Einerseits steckt er voller südstaatlichem Patriotismus und will die Lee-Brüder gegen die Yankees kämpfen sehen, andererseits muss er froh sein, dass die beiden genau das nicht tun, denn sonst könnte er seine Ranch vergessen, würde er doch allein mit den zwei Frauen und Nathan zurückbleiben. Manchmal ist es nicht leicht, die Motivationen einer Figur auszupendeln. Menschen sind auch irrational und widersprechen sich häufig selbst, nur in Filmen meistens nicht. Jedenfalls stehen hier in Mr Evans’ Brust zwei Leidenschaften in Konflikt miteinander, seine Liebe zu Dixie und die Hingabe an seine Ranch. Johs reagiert auf die Vorwürfe seines Vielleicht-einmal-Schwiegervaters sehr gelassen und intelligent: Er könne nicht für den Süden, seine Heimat, kämpfen, da er an die Freiheit aller Menschen glaube und daher für die Abschaffung der Sklaverei sei. Mr Evans tut diese Meinung als das naive Geschwätz eines idealistischen jungen Toren ab, und damit ist die Sache gegessen, die beiden Frauen Lizzy und Christine und der dunkelhäutige Nathan haben sowieso nichts zu melden.

Alle Figuren des Dramas sind nun positioniert, es kann seinen Lauf nehmen. Da der Krieg bereits so nahe gerückt ist, will Mr Evans Christine bei ihrer Großmutter in Jackson (Mississippi, nehme ich an) in Sicherheit bringen. Für Johs ein harter Abschied, er muss seine Liebe zur Postkutsche geleiten. Butch aus Springfield überfällt derweil mit seiner Bushwhackerbande in Uniformen der Union einen Trupp Yankeesoldaten, der in der nahe der Evans-Ranch gelegenen Kleinstadt Fairwood Quartier bezogen hat. Er kann seine Unternehmung jedoch nicht zu Ende führen, da er von Hank Song erkannt wird. Schießerei, Verfolgungsjagd. Butch und der Großteil seiner Männer kommen davon. Song redet dem kommandierenden Captain Clifford ein, dass die Bushwhackers sich auf Mr Evans’ Ranch verstecken würden. Clifford führt eine Abteilung dorthin, zwischen ihm und Evans entspinnt sich ein Wortgefecht, dessen tödliche Konsequenzen Clell Lee zu tragen hat: Clifford erschießt ihn kaltblütig (und aus Sicht des neutralen Zuschauers un- oder übermotiviert). Rosalba Neris letzter Auftritt in diesem Film folgt: Entsetzt ob des gewaltsamen Todes ihres Mannes, stürzt Lizzy Lee sich auf Clifford und schlägt auf ihn ein. Der stößt sie von sich, sie entreißt ihm dabei jedoch unbemerkt seine West-Point-Goldmedaille, die er kurioserweise am Gürtel trägt. Clifford und sein Trupp reiten weg, jetzt taucht Hank Song auf, der sich bisher vor der Ranch versteckt hat. Er versucht Lizzy, die untröstlich ihren ermordeten Mann beweint, in einer Art bizarrer Logik zu überzeugen, mit ihm zu kommen: Sie brauche nun, nach Clells Tod, einen männlichen Beschützer, nämlich ihn, Hank Song. Erwartungsgemäß geht Lizzy Lee auf dieses Angebot nicht ein und wünscht ihn zum Teufel. Vielleicht dämmert Hank Song in diesem kurzen Moment, dass er nicht nur ein komplettes Arschloch ist, sondern auch total unterbelichtet. Er schießt Lizzy Lee eine Gewehrkugel ins Herz.

Als Johs zur Ranch zurückkehrt, sieht er sich mit dem Verlust aller ihm wichtigen Menschen konfrontiert: Bruder und Schwägerin tot – Christine bei der Oma in Jackson. In der Hand der toten Lizzy Lee findet Johs Cliffords Medaille und nimmt sie an sich. Er teilt Mr Evans mit, dass er sich Butchs Bushwhackers anschließen wird, und verlässt die Ranch.

In zwei gut gewählten Szenen macht Alfonso Brescia nun die Zwiespältigkeit eines Guerillakrieges deutlich: Zunächst greift Butch mit seinen Leuten und Johs einen Trupp Unionssoldaten an, um an deren Waffen, Munition und Vorräte zu kommen. Als direkt folgenden Gegenpunkt zeigt Brescia einen Übergriff auf die Zivilbevölkerung: Butch überfällt auch die aus Jackson kommende Postkutsche. (Man konnte befürchten, dass Christine Evans in dieser sitzen würde – doch nicht bei der Oma geblieben –, dem ist aber nicht so.) Einem lokalen Habenichts, der sich in der Kutsche befindet, lässt Butch seine paar Dollars, einem reichen Bostoner Geschäftsmann stiehlt er hingegen 1.000 Dollar, woraufhin dieser Butch in den Rücken schießen will. Gerade noch kann Johs den Mann töten. Jetzt ist er allerdings nicht nur ein Freischärler, sondern auch ein Dieb und Mörder – kein Weg führt zurück ins zivile Leben.

Als Zuschauer bereitet man sich nun auf den spannenden und interessanten Teil der »Tage der Gewalt« vor, die Erlebnisse von Butch und Johs und den Bushwhackers bei ihrem Kampf gegen reguläre Truppen des Nordens und natürlich besonders gegen irreguläre, die berühmten Jayhawkers. Um diese Auseinandersetzungen in Kansas und Missouri kreisen ja Dutzende Legenden mit beinahe mythischen Gestalten wie William Clarke Quantrill und Jim Lane (Blueberry-Leser sind im Bilde) oder William T. Anderson, genannt Bloody Bill. Um’s kurz zu machen: totale Fehlerwartung. Direkt nach dem Postkutschenüberfall setzt Brescia eine radikale Zäsur und blendet einen Text ein, der uns mitteilt: »April 1865«, der Bürgerkrieg sei jetzt aus. (Wer wissen möchte, wie es Johs und Butch in den mit ungeheurer Grausamkeit in Missouri und Kansas geführten Auseinandersetzungen ergangen sein könnte, legt hier ein Päuschen ein und sieht sich Ang Lees großartigen Film Ride with the Devil [USA 1999] an, der die Geschichte von Jake Roedel [Tobey Maguire] erzählt, einem jungen Mann aus Missouri, der Johs Lee in groben Zügen gar nicht so unähnlich ist.)

Zwei Handlungsjahre überbrückt Brescia also in einer Filmsekunde per Texteinblendung – selten bekömmlich für die Stimmigkeit des narrativen Ablaufs. Über den Zusammenhang von Bild, Filmbild, Bewegung und Zeit haben sich ja bereits wesentlich klügere und kundigere Leute als ich den Kopf zerbrochen – die Bandbreite reicht von Siegfried Kracauers prinzipiellen Darlegungen, Walter Benjamins und Roland Barthes’ Auseinandersetzungen mit Welterfassung und Bildproduktion über die umfassenden Studien zu Bewegungs-Bild und Zeit-Bild von Gilles Deleuze bis zu Andrei Tarkowskis Sculpting in Time (um hier ein bisschen Namedropping zu betreiben) –, und wenn man wollte, könnte man Brescia ein ganz bewusstes Invertieren der diegetischen Kontinuität attestieren, wodurch er intendiert, den desperat-tristen Konsens einer auf eskapistische Eintrübungsbildwelten ausgerichteten Konsumismusmaschinerie offenzulegen, deren alles appropriierendes Dispositiv Brüche und eben Diskontinuitäten nur dann tolerieren kann, wenn diese lediglich die Ober-Fläche (besser im Englischen: »surface«), also die Über-Fläche, ihrer mittlerweile globalisierten Konstituenten tangieren. Okay, okay, Brescias harter Einschnitt ist, so nehme ich an, nichts anderes als Ausdruck finanzieller Not: Den Bürgerkrieg darzustellen war einfach nicht drin, so was kostet viel Geld. Schließlich ist eine Sequenz mit einem Schlachtfeld, auf dem Hunderte Komparsen Krieg spielen, etwas teurer als das Close-up eines blauen Augenpaares (außer es gehört Henry Fonda).

Der Bürgerkrieg ist jedenfalls an sein Ende gelangt, dorthin müssen Brescia und seine Autoren jetzt auch ihren Protagonisten oder vielmehr dessen Antagonisten bringen. Die Hälfte des Filmes haben sie noch Zeit dafür. Johs Lee kehrt auf die Evans-Ranch zurück und findet dort folgende Situation vor: Christine ist so gut wie verlobt mit Dan Clifford, mittlerweile Zivilist. Der alte Evans hat sich mit allem arrangiert – den Yankees, dem verlorenen Krieg, der Tatsache, dass Clifford vor seinen Augen Clell Lee erschossen hat, dass er Johs seit zwei Jahren nicht mehr gesehen hat, Hauptsache, seine Ranch prosperiert wieder, dank der Hilfe von Clifford, Song und einigen Soldaten. Johs kommt für den Patriarchen also sehr ungelegen, und auch Christine ist alles andere als vor Freude aus dem Häuschen, denn Johs ist mittlerweile ein gesuchter Verbrecher, auf dessen Ergreifung – tot oder lebend – eine Belohnung von 5.000 Dollar steht (s. Still zu Beginn des Aufsatzes). Dieses hübsche Sümmchen will sich der niederträchtige Clifford nicht entgehen lassen – Hochzeitsgeld! –, und er beordert seinen schändlichen Kompagnon Song und eine Abordnung Soldaten zur Ranch, um Johs festzusetzen. Diesem gelingt es aber nicht nur zu entkommen, sondern obendrein Christine Evans zu entführen. Die beiden Schurken machen sich in Begleitung Nathans und der Yankeesoldaten an die Verfolgung.

Auf Johs und Christine wartet Butch von Springfield, und ihr Plan ist es, nach Texas zu gelangen, und zwar über Oklahoma. Diese Flucht macht leider die zweite Hälfte des Filmes aus. Besondere Vorkommnisse: Schießereien mit den Verfolgern, Johs tötet Butch, nachdem dieser versucht hat, ihn im Stich zu lassen und Christine Evans zu vergewaltigen (offenbar eine Obsession von Brescia), Johs und Christine kommen sich nach anfänglichem Misstrauen wieder näher, Hank Song beißt endlich ins Gras, nachdem er Johs erzählt hat, wer der Besitzer der Goldmedaille ist. Nach einigem Hin und Her – Brescia strapaziert in manchen Szenen wieder sehr die Einhaltung des oben erwähnten »Fiktionsvertrages« – kommt es zum Finale im Ranchhof: Johs Lee versus Dan Clifford. Wer wird das Duell gewinnen? Am Ende reitet Johs mit Christine im Sattel einer hoffentlich besseren Zukunft entgegen.

Der dramatische Brunnen, aus dem I giorni della violenza schöpfen, trocknet mit Fortdauer des Filmes immer mehr aus – sei es durch wenig überzeugende Schauspielleistungen, inszenatorische Missgriffe, unpassende Musikbegleitung oder das unglücklich in zwei Akte zerfallende Drehbuch. Den Durst der anspruchsvollen Cineastin vermag dieser Western keinesfalls zu stillen, das Durchschnittspublikum bekommt ihn sowieso nie zu sehen, und der Aficionado abseitiger Italoproduktionen wird diesem unbefriedigenden Wässerchen auch ein stärkeres geistiges Getränk vorziehen.

(Ach ja, beim Schreiben dieses Aufsatzes bin ich wieder in das verfallen, was Christopher Frayling zu Recht als »patronizing attitude« gegenüber Italowestern angeprangert hat. Einerseits ist allerdings Frayling selbst von dieser Haltung auch nicht ganz frei, und andererseits machen es einem die meisten dieser Filme nicht eben leicht, sie wirklich ernst zu nehmen und über sie zu schreiben unter gänzlicher Ausklammerung von Scherz, Satire, Ironie ohne tiefere Bedeutung.)

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