Proverbs for Paranoids, 3: If they can get you asking the wrong questions, they don’t have to worry about answers.

The Someday Funnies

Oder: wie man eine großartige Idee so richtig vergeigen kann

Als ich im Comics Journal, dem Hauptmitteilungsblatt des engagierten Comicnerds, den Artikel über die Entstehungsgeschichte der Someday Funnies gelesen habe, war ich total begeistert und hoffte, dass sich doch noch ein Verlag finden würde, um das Projekt von Michel Choquette zu realisieren.

Zur Erklärung: 1970 begann Michel Choquette im Auftrag des Rolling Stone-Magazins (Comic-)Künstler zu kontaktieren, um eine Geschichte der 1960er-Jahre in Comicform zusammenzustellen. An dem Projekt beteiligten sich dann tatsächlich Leute wie William Burroughs, Jean Giraud, Harvey Kurtzman, Frank Zappa und Jack Kirby. Insgesamt konnte Choquette im Lauf der Jahre 169 Arbeiten zusammentragen; und das, obwohl das Ganze ursprünglich als 16-seitige Beilage geplant war. Ob des schieren Umfangs, den die Geschichte angenommen hatte, war eine Veröffentlichung als Beilage nicht mehr möglich. Da aber auch Pläne scheiterten, ein Buch daraus zu machen, landeten die Arbeiten in der Schublade.

Wohl durch den Artikel im Comics Journal kam jetzt noch einmal Schwung in die Sache, und Abrams veröffentlichte die Someday Funnies. Warum bin ich nun aber nicht erfreut, sondern total verärgert?

In Anlehnung an Dantes Göttliche Komödie sollte es eine an Vergil erinnernde Figur geben, die durch die Geschichte führt. Darauf wurde von den Künstlern auch Rücksicht genommen, und sie ließen auf allen Seiten den entsprechenden Platz frei. Jetzt finde ich diese Idee schon nicht besonders prickelnd, eine fertig komponierte Seite durch die Zeichnung eines »Fremden« zu ergänzen; die Ausführung ist aber, gelinde gesagt, eine Frechheit. Erledigt wurden diese Zeichnungen von einem dänischen Werbegrafiker namens Michael Fog, der davor immerhin durch seine Entwürfe für die Uniformen der kanadischen Bahn auf sich aufmerksam gemacht hatte. Und das ist kein Witz! Diese Zeichnungen passen vielleicht in eine Werbebroschüre für Menstruationsprodukte, aber um Himmels willen nicht mitten in Comicstrips. Das Buch ist so für mich absolut unlesbar geworden. Schade!

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